allwetterreifentestAllwetterreifen haben allgemein den Ruf nicht zu den sichersten Bereifungsmethoden zu gehören. Verlockend auf Ganzjahresreifen zu setzen ist die Tatsache, dass hierdurch die halbjährlich anstehende Umbereifung umgangen werden kann. Zudem lassen sich mögliche Kosten, wie ein zweiter Satz Reifen und eventuell anfallende Einlagerungsgebühren einsparen. Aber wie steht es in Sachen Verschleiß und Sicherheit?

Was wirklich dran ist am schlechten Ruf von Allwetterreifen zeigen der Allwetterreifen-Test 2011 des ADAC sowie eine Testreihe mit zehn ausgewählten Ganzjahresreifenmodellen von Autobild.de, ebenfalls durchgeführt im Herbst 2011:

ADAC Allwetterreifen Test 2012/2011

Wie der Kategorie “Tests” auf der Internetseite des ADAC zu entnehmen ist, wurden ausgewählte Ganzjahresreifen den gleichen Testbedingungen wie Winterreifen sowie in anderen ausführlichen Testreihen, ausgewählten Sommerreifenmodellen gleichgesetzt. Dies gewährleistete bei den vorliegenden Ergebnissen eine valide Vergleichbarkeit von Ganzjahresreifen mit Winterreifen sowie von Ganzjahresreifen mit Sommerreifen. In Bezug auf die Trockenkriterien Fahrstabilität, Handling und Bremsen wurde für die getesteten Ganzjahresreifen die Gewichtung analog der Sommerreifen übernommen. Die prozentuale Aufteilung der Ergebnisgewichtung innerhalb der Trockenkriterien von Ganzjahresreifen liegt somit bei 35% Fahrstabilität (Winterreifen: 40%), 35% Handling (Winterreifen: 40%) und 30% Bremsen (Winterreifen: 20%).

Vor dem Eingehen auf die Detailergebnisse sei aber erwähnt, dass der ADAC in Bezug auf die Auswertung besonderen Wert auf die Ausgewogenheit der Ganzjahresreifen gelegt hat. Dies bedeutet, dass ein Reifenmodell nur dann ein Urteil mit “gut” bekommen konnte, wenn das jeweilige Modell in allen Einzelkategorien mit “gut” abgeschnitten hat. Wurde beispielsweise auch nur in einer Testkategorie das Urteil “befriedigend” vergeben, hätte das Gesamtergebnis bestenfalls im Bereich “befriedigend” gelegen.

ADAC Allwetterreifentest 2011

  1. Gewinner des ADAC Ganzjahresreifentests ist der “Goodyear Vector 4Seasons”. Er punktet auf nasser Fahrbahn und auch bei den Tests auf Eis und Schnee, schneidet er verhältnismäßig gut ab. In der Kategorie “Trocken” hingegen liegt er allerdings mit einer Gesamtnote von 3,2 sogar hinter einigen Modellen, die in der Gesamtwertung schlechter abgeschnitten haben. In der Preisklasse 55-111 Euro gehört der “Goodyear Vector 4Seasons” allerdings auch zu den teuersten, aufgeführten Modellen.
  2. Auf Platz 2, aber immer noch nur mit “ausreichend” bewertet, liegt der “Sava adapto”. Auf trockener Strecke bringt er eine durchschnittliche Bewertung von 2,9 zustande und erreicht auch in den Kategorien “Nass” und “Schnee” nur ein “befriedigend”.
  3. Ebenfalls im Gesamtergebnis mit “ausreichend” bewertet wird der “Vredestein Quadrac3″. Zwar weist er auf trockener Strecke mit der Note 2,4 ein gutes Ergebnis aus, verliert in der Kategorie “Schnee” aber deutlich und erhält hier die Note 4,5, womit er fast als “mangelhaft” bewertet wird. Seiner guten Seitenführung auf eisiger Fahrbahn, die mit 2,5 bewertet wird, ist es zu verdanken, dass dieses Modell im Vergleich dennoch auf Platz 3 liegt.
  4. Den vierten Platz belegt der “Kieber Quadraxer”, ebenfalls mit dem Gesamturteil “ausreichend”. Auf trockener Fahrbahn kann er zwar durch Fahrstabilität und Handling gute Werte vorweisen, bekommt aber beim Bremsen auf trockener Strecke nur die Note 4,0. Auf nasser Fahrbahn, sowie bei Eis und Schnee liegen die Testergebnisse fast überall im schlechten befriedigenden oder ausreichenden Bereich. Einzig beim Bremsen in der Kategorie “Schnee” erhält er die Note 2,5.
  5. Auf Platz 5 der Bewertung findet sich der “Hankook H730 Optimo 4S”. Auch dieses Modell wird nur mit dem Gesamturteil “ausreichend” versehen. Zwar kann dieser Reifen in Bezug auf den Kraftstoffverbrauch mit der Note 1,9 punkten, allerdings erzielt er in den wichtigen Kategorien “Nass” und “Schnee” nur Noten von 3,1, und 4,1.
  6. Von den sechs vorgestellten Reifenmodellen schnitt der “Ridgon All Season 120″ am schlechtesten ab. Insgesamt erhielt er das Urteil “ausreichend”, wobei er in der Kategorie “Eis” mit der Note 2,8 und in der Kategorie “Kraftstoffverbrauch” mit der Note 2,2 noch am besten abschnitt. Auf nasser Fahrbahn hingegen erzielte er beim Bremsen mit der Note 3,5, sowie beim Handling mit der Note 4,0 keine herausragenden Werte. Der Preis pro Reifen liegt mit 41-50 Euro im Niedrigsegment, was sich auch im Testergebnis widerspiegelt.

In aufwendigen Testreihen bewertete der ADAC Ganzjahresreifenmodelle der Größe 175/65 R14 T, also der gängigen Dimension für alle Klein- und unteren Mittelklassewagen. Getestet wurde auf trockener und nasser Stracke sowie bei Schnee und Eis. Auch Geräuschverhalten, Kraftstoffverbrauch und Verschleiß sind den Detailergebnissen zu entnehmen. Insgesamt verteilte sich die Gewichtung der einzelnen Testkriterien wie folgt: Trocken 15%, Nass 30%, Schnee 20%, Eis 10%, Geräusch 5%, Kraftstoffverbrauch 10% und Verschleiß 10%. Die durchschnittlichen Einzelnoten führten zu dem vorliegenden ADAC-Urteil.

Fazit des ADAC Allwetterreifen Test 2012/2011

Das Fazit des ADAC fällt ernüchternd aus: Keiner der getesteten Ganzjahresreifen kann mit entsprechenden Winter- oder Sommerreifen mithalten. Somit empfiehlt der ADAC auf Winterreifen nicht zu verzichten, um auch bei extremen Witterungsbedingungen auf sichere Fahreigenschaften setzen zu können.

Allwetterreifentest von Autobild.de 2012/2011

Etwas milder fällt das Urteil beim Ganzjahresreifentest von Autobild.de aus. Von zehn getesteten Modellen erreichten immerhin drei das Urteil “vorbildlich”.Anders als beim Test des ADAC erhält der Reifen in der Kategorie “Schnee” die Wertung 2+ und entfernt sich damit deutlich von der Einschätzung des ADAC, der dem Modell hier lediglich die Note 4,5 erteilte.

  1. Das beste Urteil konnte bei Autobild.de aber das Modell “Vredestein Quadrac3″ erzielen. 
  2. Auf Platz 2 lag der “Goodyear Vector 4Season”.
  3. Ebenfalls als “vorbildlich” wird der “Hankook Optimo 4S” bewertet, der hier sowohl bei Nässe, als auch Trockenheit mit einer 2 ausgezeichnet wird. In der Kategorie “Schnee” erhält er sogar eine 2+.
  4. Als “empfehlenswert” werden von Autobild.de die Modelle “Dunlop SP Sport 01 A/S”, “Bridgestone A001 All Weather” sowie der “Toyo Vario-V2+” beurteilt.
  5. Nur “bedingt empfehlenswert” sei der “Kleber Quadraxer”, der analog des ADAC-Urteils gerade auf nasser Fahrbahn nicht überzeugen kann.
  6. Als “nicht empfehlenswert” gehen die Modelle “Maxxis MA-AS All Season”, “Nankang NK All Season” und der “Federal SS657 Super Steel” aus dem Ganzjahresreifentest von Autobild.de hervor.

Als ergänzendes Testkriterium untersuchte Autobild.de das Vorhandensein des Schneeflockensymbols auf den Reifenmodellen. Nur durch Ausweisung dieses Symbols bürgen M+S-Reifen (Matsch und Schnee) für sichere Fahreigenschaften auf Eis und Schnee. Bis auf die zwei Modelle “Brdigestone A001 All Weather” und “Federal SS657 Super Steel” konnten aber alle anderen acht das Schneeflockensymbol vorweisen.

Gesamtsieger der Allwetterreifen-Tests von 2012/2011

Vergleicht man die Testreihen von ADAC und Autobild.de schneidet der “Goodyear Vector 4 Seasons” in der Größenordnung von kleinen und mittleren Dimensionen bis 205/55 R16 insgesamt am besten ab. Nach dem Urteil des ADAC allerdings fährt man mit entsprechenden Saisonreifen aber immer noch am sichersten.

Fotos: ADAC/Wolfgang Grube

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